Archiv der Kategorie 'ÖH-Wahl 2011'

Perspektiven für die kommenden Tage

Einem erneuten „Sieg der Unpolitik“ wollen wir in den kommenden zwei Jahren den Nährboden entziehen. Die Universität ist politisch. Die ökologische und soziale Krise werden wir nicht in Fachstukositzungen oder im stillen ÖH-Kämmerlein lösen. Angelehnt an Horkheimer: Wer vom Kapitalismus nicht reden will, sollte auch von Nachhaltigkeit schweigen. Kritik an herrschenden Verhältnissen ist notwendiger denn je. Die BOKU braucht einen breiten, basis-orientierten, gesellschaftskritischen Gegenpol zum unpolitischen Fachschaftsbürokratismus.

3,43% – Geile Scheiße oder wie schwierig es ist eine systemüberwindende Alternative zu vermitteln!

„Entschuldigung, aber ihr glaubt doch nicht ernsthaft, mit dieser pseudokreativen Hello-Kitty-Polemik auch nur eine einzige Stimme zu bekommen?“ – HELLS YEAH! 3,43% für Lili – 113 Stimmen für eine linke, ökologische, progressive und kämpferische ÖH-BOKU

Danke! Für ein Mandat in der Universitätsvertretung hat es leider nicht gereicht. Dennoch ist dieses Ergebnis historisch. Noch nie zuvor hat an der BOKU eine Liste mit emanzipatorisch, systemüberwindenden Anspruch so viel Zuspruch erhalten. Gerade die „Universität des Lebens“ öffnet vielen Menschen die Augen. Die ökologische Krise ist eine der größten Bruchstellen unseres Gesellschafts- und Wirtschaftssystems. Wir müssen eine Gesellschaft gestalten, in welcher der Mensch wieder im Mittelpunkt steht. Von jedem, nach seinen Fähigkeiten. Und für jeden, nach seinen Bedürfnissen. Das Ganze im Einklang mit der Natur und Umwelt. Eine herrschaftsfreie Welt darf diese nicht ausnehmen.

Die Spielräume die wir haben müssen wir mit Zähnen und Klauen verteidigen. Dazu zählt kompromissloser Einsatz für den „Freiraum“ Universität: Weg mit Studiengebühren und der finanziellen Abhängigkeit von prekären Jobs, Eltern und dem Studienerfolg. Faschistoiden, rassistischen und sexistischen Tendenzen müssen wir immer und überall entgegen treten. Die selbstverwalteten Flächen im Haus der Studierenden müssen uns erhalten bleiben.

Wir brauchen für die kommende Zeit kritische Köpfe, die in der Lage sind Kritik an herrschenden Verhältnissen verständlich zu formulieren. Wir brauchen kreative Köpfe. Die in der Lage sind diese trotz ideologischer Scheuklappen und Bretter vorm Kopf zu vermitteln. Und vor allem brauchen wir fachkundige Köpfe. Die in der Lage sind Lösungen zu finden bei denen die Bedürfnisse der Menschen tatsächlich im Vordergrund stehen. Hier wollen wir vor allem unsere Freude an den 25 Stimmen in der Muthgasse aussprechen. Wir brauchen linke Techniker_innen, welche arbeitssparende, emanzipatorische Technologien entwickeln, die sich am menschlichen Maß orientieren.

Wie geht es weiter?
Nach dem teils emotionalen Wahlkampf ist es nun an der Zeit fundiert, kritisch und konstruktiv voran zu schreiten. Der erste Schritt kann nur sein interessierte Menschen zu vernetzen. Gemeinsam können wir uns überlegen, wie und in welchen Umfang wir unsere Anliegen und Interessen unter dem Konstrukt „öKo-Lili“ mehr oder weniger lose zusammen vertreten wollen.

Wir werden noch vor den Ferien, ein offenes Treffen veranstalten, wo wir uns kennen lernen können, Zeit und Raum haben, über die Zukunft der öKo-Lili zu diskutieren. Sobald es nähere Infos gibt, wisst ihr Bescheid!

Liebe Grüße

Resümee des ersten Wahltages

Gedanken die einem so kommen, wenn man andere Leute davon überzeugen will einen zu wählen. Wieso AG-Bashing notwendig ist, aber unser Ansatz eigentlich ein ganz anderer ist. Von Klemens Herzog (öKo-Lili)

“Nicht einmal besoffen würde ich die AG wählen”
Schon am Vormittag gab es am AG-Info-Saufstand Spritzer für 1,5€. Das Ganze bei gefühlten 30°C. Die Marschroute war vorgegeben: „Leute abfüllen und zum AG-Wählen überreden“. Das ist aber bei einer Fraktion die als ihre erste und wichtigste Leistung es sieht, die größten (gelogen!) und besten (Einspruch!) Feste auf der BOKU zu organisieren, auch nicht weiter verwunderlich. Als mich dann zu den hämmernden Beats von „das Rote Pferd“ mich noch irgendein AGler schief von der Seite anquatschte, ob ich mich für meine politisch linke Einstellung nicht schäme, sah ich mich nur kurz um, hörte noch einmal in die Runde „mit seinem Schwanz die Fliege abgewehrt“ und wusste wieder wieso mir die AG eigentlich so am Orsch geht.

„Ich interessiere mich nicht für Politik also wähle ich die Fachschaftsliste“
Heute so als Argument gehört. Auch wenn es sicherlich ein Verdienst der FL BOKU war die ÖH-BOKU zu öffnen, so muss man natürlich schon auch dazu sagen, dass das Niveau bei der Übernahme vom AG-Vorsitz wohl auch kaum zu unterbieten war. Ohne die erfolgten Leistungen in den universitären Gremien der BOKU schmälern zu wollen. Bitte fängt endlich an zu reflektieren was diese Messages, die ihr wieder und wieder vermittelt „links ist nicht so gut“ „die Interessen der Studierenden vertreten wir ohne Ideologie“ „Politische Organisationen sind böse“ für einen Schaden anrichten. Unis sind politisch. Unis sind Teil der Gesellschaft. Und sie sind einer der letzten Räume wo diese Gesellschaft noch kritisch reflektiert und hinterfragt werden kann. Eure Politik steht dem zunehmend entgegen. Und das finde ich wirklich traurig!

Erdgespräche – „Design like you give a damn“
Die Erdgespräche sind eine jährlich statt findende Veranstaltung, mit dem Thema Nachhaltigkeit und Globaler Wandel. Teilweise wieder einmal zum Kopfschütteln, welch Tabu, selbst (oder gerade) auf diesen Veranstaltungen Kritik an unserem zerstörerischen und ausbeuterischen Gesellschaftssystem ist. Biologisch abbaubare Maisbecher. Toll. Ökostrom. Super. Aber das kann doch nicht alles sein, oder?

Leider wurde mit dem Publikum nicht diskutiert; aber ich hätte gesagt (in Anschluss an einen äußerst beeindruckenden Vortrag eines nigerianischen Aktivisten): „I want to express my deep admiration for your struggle. Because you risk something; you risk your life. And that is what makes you different from us. And still everything is connected. And therefore I want to quote Audre Lorde, a black, feminist activist from the states, who claimed, that “there are no single issue struggles, because we don’t live single issue lifes”. So solidarity with all the political struggles in the world is the key for a better world. But our common goal must be a liberated society for every single one of us. And therefore we have to overcome a system, in which the corn isn’t grown, for those, who are hungry, but for those, who pay for it.”

Im Anschluss referierte ein amerikanischer Architekt und Entwicklungshelfer. Und der hatte es echt drauf. „Design like you give a damn“ war sein Motto. Und der designte echt auf Teufel kam raus. Und zwar für die Bedürfnisse der Menschen. Baute eine Plattform auf wo „do it yourself – Baupläne“ unter creative commons für jede_n frei zugänglich sind. Man merkte einfach, diesem Menschen, geht es um die Menschen, und er hatte Spaß an seiner Arbeit. Er brannte dafür. Er würde es auch machen wenn er kein Geld dafür bekommen würde.

Was ich vom heutigen Tag mitgenommen habe war, dass systemüberwindende Kritik notwendiger denn je ist. Unter anderem um Menschen wie diesem Typen den Weg frei zu machen. Denn die ökologische und soziale Krise können wir nur in einem lösen. Und dabei braucht es viele kreative Köpfe. Köpfe die auch was drauf haben. Aber vor allem braucht es Menschen die ihre Scheuklappen ablegen und offen sind. Kapitalismuskritik darf kein Tabuthema mehr sein. Kapitalismus ist scheiße. Er hemmt unsere Kreativität. Er unterdrückt unsere Motivation. Er beschränkt unsere Freiheit. Und er tötet ohne Konsequenz. Aber vor allem ohne Notwendigkeit.

Wir sehen in den Studierenden der BOKU diese Menschen, die was drauf haben. Die das Potential haben die Gesellschaft positiv zu verändern. Der Versuch euch Scheuklappen abzunehmen, Tabus zu enttabuisieren, den Weg für euch frei zu machen, ist unser Ansatz. Unser Beitrag zum großen Ganzen.

Lili Konkret!

Neben kompromisslosen Einsatz gegen Studiengebühren, Zugangsbeschränkungen, Streichung von Zuschüssen und Beihilfen, Rassismus, Seximus, Homophobie, Antisemitismus in und außerhalb der ÖH-BOKU… gehts uns an der BOKU direkt, konkret um…

• Die Zukunft des Türkenwirtgebäudes muss transparent und unter
Beteiligung aller Gruppen aktiv mitgestaltet werden. Lili setzt sich
kompromisslos für den durchgehenden Erhalt des TüWis und der
selbstverwalteten Flächen ein. Vernetzung mit anderen selbstverwalteten
Projekten soll helfen von „Fehlern“ Anderer zu lernen. Studentisch
verwaltete Flächen, sind nicht verwertbar und sind dadurch nicht im
Interesse des Rektorats. Think about it!

• Eine Kritische Inskriptionsberatung und ein kritisches
Vorlesungsverzeichnis soll dazu beitragen kritische Lehrende und
Studierende zusammen zu führen. Durch verschulte Curricula und dem
allgemeinen Druck unter dem die Studierenden leiden, wird ein Blick über
den Tellerrand immer schwieriger. Notwendiger ist er jedoch mehr denn je!

• Querschnittsmaterien wie Nachhaltigkeit, Ethik und eine
Auseinandersetzung mit herrschenden Geschlechterverhältnissen müssen in
allen Studienplänen verankert werden. Raum für Reflexion und Diskussion
dieser Themen muss sowohl innerhalb als auch außerhalb universitärer Lehre
vorhanden sein. Die Zähne der Ethik-Kommission müssen gewetzt werden. Nur
Druck von unten kann verhindern dass sich die BOKU als Speerspitze der
Grünen Gentechnik etabliert. „There are no single issue struggles,
because we don´t live single issue lifes“.

• Der ÖH-Bibliothek müssen mehr Mittel zur Verfügung stehen. Kritische
Literatur muss uns unabhängig von knappen Unibudgets und dem zunehmenden
Einfluss privater Interessen zur Verfügung stehen.

• Die ÖH-BOKU braucht ein Referat für Widerstand und kreativen Protest! Ob
Streichung der Familienbeihilfe, Nazis am Heldenplatz oder eine Autobahn
vor der Haustüre? Es gibt viele Gründe Widerstand zu leisten. Und es gibt
noch viel mehr Wege diesen Protest auszudrücken. Von Rebel Clown Army bis
hin zur Kommunikationsguerilla – das Referat soll in die bunte Welt des
Widerstands einführen.

• Lili spricht sich dafür aus, die einmal im Monat stattfindende
Volksküche materiell zu unterstützen. Warum werden die Semmeln für den
Gebacken, der sie bezahlt, und nicht für den der hungrig ist. Warum landet
so viel essbare Nahrung in unserm Müll, in Biogasanlagen und Rindermägen –
während jeden Tag tausende Menschen an Unterernährung sterben? Essen ist
politisch und Ohne Mampf gibt’s keinen Kampf!

Und natürlich wollen wir „die Freiheit der Welt, und Straßen aus Zucker.
Schneien soll´s Geld und ab und zu Futter. Für Kanonen aus Plastik auf
Panzern aus Watte. Selbst wenn wir´s maßlos verkacken, ziehn wir unser
Ding durch, nur Spaß muss es machen“ [Frittenbude – Mindestens in 1000
Jahren]

Dunkelrosarote Grüße
Lili

Für eine linke und kämpferische ÖH-BOKU

Trotz zahlreicher Bekundungen wie schrecklich ein Rückfall in Zeiten eines AG-Vorsitz wäre, wurde die Fachschaftliste BOKU auch bei der gestrigen Elefant_innen nicht müde zu betonen, dass sie sich eine Koalition mit der studierendenfeindlichen AG durchaus vorstellen könnte. Bei der Fachschaftliste zählen halt die Inhalte, der Ideologische Background ist egal. So unterstützt man zwar eine Fraktion die Trittbrettfahrern in unserer Leistungsgesellschaft die Daseinsberechtigung abspricht aber da man ja „weder links, noch rechts ist“, kann man solche Dinge schon einmal vergessen. Da selbst die Fachschaftliste der Aktionsgemeinschaft in vielen Punkten diametral gegenüber steht (Studiengebühren, Zugangsbeschränkungen) können wir dieses Bekenntniss zur AG, doch nur als falsche Ehrlichkeit auffassen um das Image „seht her, wir sind so liberal, wir schließen niemanden aus“ zu bewahren.

Ehrlichen Einsatz gegen die studierendenfeindliche Politik der AG, gegen den beschissenen Normalzustand, gegen Rassismus, Sexismus und Antisemitismus, gegen die ganze Scheiße, die unsere Gesellschaft tagtäglich reproduziert, wird es nur mit einer linken und kämpferischen ÖH geben! Vota Comunista!

Mehr Kritik zum Selbstverständnis der Faschaftsliste gibts hier… Fali_Kritik