Archiv der Kategorie 'Bildung'

öKo-Lili – Extrablatt!

Für alle, dies noch nicht in Händen gehalten haben, gibts unsere Beilage zum KSV-Lili Boulevarblatt nun auch zum virtuellen Durchblättern. Mit dabei sind Artikel zu den Zugangsbeschränkungen in der Landschaftsplanung, Rückblick und Ausblick sowie ein Artikel zum Rassismus unter dem AG-Regenbogen. Viel Spaß beim Lesen.

LVA-Verzeichnis SoSe13

Mit dem Klick aufs Bild gelangt ihr zu unseren LVA-Empfehlungen für das Sommersemester 2013. Mit dabei sind unter anderem Seminare zu feministischer Freiraumplanung, zur politischen Ökologie der Ernährung, zu Gender und Globalisierung und einige mehr. Einen Blick reinwerfen lohnt sich! Die Anmeldefristen für die Lehrveranstaltungen an der Uni Wien laufen zum Teil nur noch wenige Tage: Also auf auf, macht euch einen Kaffee, rückt den Aschenbecher zurecht (falls ihr Raucher_in seid) und klemmt euch hinter die Semesterplanung (falls ihr gerade nichts besseres zu tun habt ;)

Lili´s vollkommenes Defizit an Überraschung: „Nun trifts also LAP“

Statement zur Ankündigung des BOKU-Rektorates den Zugang zur Landschaftsplanung zu beschränken

Mit dem Unterton eines Staubsaugerverkäufer, der Angst hat, dass man ihm die Tür vor der Nase zuschlägt vermeldete das BOKU Rektorat, dass „eh nur“ das Studium Landschaftsplanung beschränkt wird. Keine Spur von Widerständigkeit und Solidarität, kein Wort davon, dass die „Zielgröße“, die es einzuhalten gilt 15% unter dem Niveau von LAP-Anfänger_innen des WiSe 2010 liegt.

„Freie“ Studienwahl

Die freie Studienwahl und die Kapazitäten für diese stehen schon seit mehreren Jahren zur Disposition: Ungeachtet der schon immer vorhandenen Zugangsbeschränkung Matura, begann die Einschränkung der Entscheidungsfreiheit mit der schleichenden Einführung von Knock-Out-Prüfungen in den zunehmend verschulten Curricula der Bologna-Prozess-konformen Studienarchitektur. Mit der Einführung der STEOP ist
ein geeignetes Instrument geschaffen worden, das der Selektion in allen Studienfächern dient. Die kommenden Beschränkungen in verschiedenen Fächern wie etwa der Landschaftsplanung sind der Testlauf für ein System, das bald flächendeckend die vormals „freie“ Studienwahl beenden wird. Die rassistischen Studiengebühren (Drittstaatsangehörige zahlen doppelt) werden ihr übriges tun, um möglichst vielen Menschen vom
Studieren abzuhalten.

Was tun? Verhandeln?
Nicht wenig Studierende, allen voran die Aktionsgemeinschaft, meinen, dass es nichts bringt auf die Straße zu gehen um Unmut und Wut auszudrücken und verweisen auf „konstruktive Verhandlungen“. In Anspielung auf Minister Töchterles Faible für lateinische Sprichwörter erkennen wir jedoch, dass „contra principia negantem non est disputandum“. Zu Deutsch: »mit jemandem, der die Grundlagen der Diskussion leugnet, sich keine Auseinandersetzung führen
lässt«. Einer Scheinpartizipation ohne politische Konsequenzen (Karl´s Hochschulmonolog oder Androschs Bildungsvolksbegheren) entgegnen wir: Verarschen können wir uns selbst!

Der Verhandlungstisch ist nur allzuoft Wiege von falschen Kompromissen und leugnet das achtungleichgewicht zwischen jenen die entscheiden und jenen die betroffen sind. Ein offener und freier Hochschulzugang, ein Bildungssystem ohne jegliche soziale Selektion sind für uns nicht verhandelbar, sondern immer und uneingeschränkt einzufordern. Freie Bildung und Wissenschafften können nur abseits von wirtschaftlicher Verwertbarkeit existieren. Da sich im Kapitalismus jedoch alle Lebensbereiche Sachzwängen rund um die Profitaximierung unterordnen müssen, können wir diese Ziele nur durch die schlussendliche Überwindung kapitalistischer Verhältnisse erreichen.

Nicht nur Bildung ist eine Ware, auch Studierende sind es

Wir rufen zur Teilnahme an der Demonstration am 5.12. auf: 16:00 Uni Wien

Demo gegen die Studienplatzbewirtschaftung, Konkurrenz, Rassismus und autoritären Kapitalismus!

Als die damalige Bildungsministerin der schwarz-blauen Regierung, Elisabeth Gehrer von „Weltklasseuniversitäten“ sprach, zeigte sich schon bald was damit gemeint ist: Das von der Regierung unter zentraler Mitarbeit von Sektionschef Höllinger (SPÖ) verabschiedete Universitätsgesetz 2002 (UG 02) brachte Studiengebühren, Verschlechterungen im Studienrecht und eine nachhaltige Entdemokratisierung mit sich. Dazu gehörten „effiziente“, flache Entscheidungsstrukturen mit – nahezu unbeschränkten – Durchgriffsrecht von oben nach unten. Vom allmächtigen Rektor herab, der sich ausschließlich dem Universitätsrat – Vertreter_innen der Regierung und des Kapitals, vulgo Unternehmer_innen – und einem politisch mit Professor_innen-Mehrheit ausgestatteten Senat zu verantworten hat: Die übliche Trias eines Unternehmens: Vorstand, Aufsichtsrat, Beratungsstab.

Was ist eigentlich das Produkt des Unternehmens Universität?

Die freie Studienwahl und die Kapazitäten für diese stehen schon seit mehreren Jahren zur Disposition: Ungeachtet der schon immer vorhandenen Zugangsbeschränkung Matura, begann die Einschränkung der Entscheidungsfreiheit – einer Freiheit die keine ist – mit der schleichenden Einführung von Knock-Out-Prüfungen in den zunehmend verschulten Curricula der Bologna-Prozess-konformen Studienarchitektur. Es folgten offizielle Zugangsbeschränkungen in Studienfächern, die – vermeintlich – zu viele Interessierte aus den EU-Staaten inskribierten. Der „Notfallparagraph“ 124b, der 2007 eingeführt wurde, erlaubte den Rektoraten, Zugangsprüfungen in einzelnen Fächern per Antrag an das Wissenschaftsministerium zu verordnen. Mit der Einführung der STEOP (Studieneingangs- und Orientierungsphase) seit dem Wintersemester 2010/2011 – bei der von „Orientierung“ nur im Sinne davon gesprochen werden kann, dass sich die überflüssigen Studierenden anders zu orientieren hätten – ist ein geeignetes Instrument geschaffen worden, das der Selektion in allen Studienfächern dient. Auch in Studienfächern, die nicht „überlaufen“ sind, also in solchen, deren Ausfinanzierung weder der Regierung noch den Universitätsleitungen opportun erscheint. Mit der nunmehr geplanten Studienplatzbewirtschaftung ist ein geeigneter Rahmen für diese Selektionsinstrumente geschaffen worden. Die kommenden Beschränkungen in 44 Fächern sind der Testlauf für ein System, das bald flächendeckend die vormals „freie“ Studienwahl beenden wird.

Damit drängt sich die Frage auf, in welchem Zusammenhang diese Maßnahmen mit der „Weltklasseuniversität“ stehen. Die Antwort darauf ist gleichermaßen einfach wie menschenverachtend, so wie das kapitalistische System eben funktioniert: Ein Unternehmen hat eben nicht nur eine Unternehmensführung und Ressourcen, es verfügt ebenso über Rahmenbedingungen für die Produktion – Kapazitäten und Steuerung derselben – und erzeugt warenförmige Produkte. Und diese Waren, das sind wir, alle Studierenden.

„Studienplatzfinanzierung“ ist ein Euphemismus

Während sich alle Organisationen, auch jene die sich kritisch zum ausgeführten Sachverhalt äußern, von der Begrifflichkeit „Studienplatzfinanzierung“ einlullen lassen, meinen wir, dass dieser Begriff nicht zur Beschreibung dieser Maßnahmen vertretbar ist. Es geht nicht darum, ausreichend Studienplätze zu finanzieren, es geht darum, Studienplätze künstlich zu verknappen und darum, nur jene Wissenschaft zu fördern, die dem herrschenden System opportun ist. Tatsächlich geht es jedoch darum, wirtschaftliche Mechanismen in dem Unternehmen Universität zu verankern, also Produktionskapazitäten festzulegen. Daher gilt es, sich nicht in die Meinungsmache von Parlamentsparteien und Rektoraten einzureihen sondern das zu sagen, was ist: Die Studienbewirtschaftung verankert nicht nur eine staatliche Einschränkung von Wissenschaften auf den Universitäten, viel mehr geht es darum, jene Konkurrenz, die bereits zwischen den Universitäten, Standorten und Ländern herrscht, auch in die Universitäten zu tragen.

Ellbogen ausfahren!?

Bei der Durchsetzung des Konkurrenz-Prinzps setzt sich die Top-Down-Struktur fort: Sind die Nationalstaaten der Standort-Konkurrenz unterworfen, ist es innerhalb der EU laut Lissabon-Vertrag die Konkurrenz auf dem Wissenschaftsmarkt. Der Hintergrund der Universitätsautonomie ist, dass die Regierung seit dem UG 02 kein Globalbudget mehr für die Universitäten zur Verfügung stellt, sondern dass die einzelnen Universitäten um das Budget konkurrieren (je nach den Zieldefinitionen des Ministeriums über das sogenannte Formalbudget). Was bisher nur in Ansätzen funktioniert hat, ist Konkurrenz zwischen den Studierenden hervorzurufen. Sicher gibt es in übervollen Hörsälen immer wieder mal den Ruf danach, Kolleg_innen rauszuwerfen. Konsequenz der geplanten Studienplatzbewirtschaftung ist jedoch, dass sich die Studieninteressierten in allen Fächern um die beschränkten Studienplätze zu prügeln haben. Und die Voraussetzungen für diesen verordneten Wettbewerb sind nicht für alle Beteiligten die selben: Nach wie vor werden Bildungsniveaus vererbt und Studieninteressierte aus dem Nicht-EWR-Ausland müssen künftig doppelte Studiengebühren zahlen. So schließt hierzulande die Bildungspolitik nahtlos an die rassistische Migrationspolitik an, eine Politik die Parteien betreiben, die – an ihren eigenen bürgerlichen rechtsstaatlichen Maßstäben gemessen – kriminelle Organisationen darstellen. Derartige Organisationen werden in den österreichischen postfaschistischen Herrschaftsbefindlichkeiten jedoch nur bei NGO’s und in der Linken ausgemacht.

Solidarität und Widerstand gegen die kapitalistischen Zustände und das Konkurrenz-Prinzip!

Trotz aller vergangenen Niederlagen gilt es dem bildungspolitischen Rückbau unter autoritär-neoliberalen Vorzeichen entgegenzutreten. Dieser trifft nicht nur die Lebensrealitäten junger Leute und befördert die untragbaren sozialen und politischen Herrschaftsstrukturen, sondern schwächt die Linke insgesamt auf verschiedenen Ebenen.

Hört auf zu studieren, fangt an zu begreifen!

Demo gegen die Studienplatzbewirtschaftung, Konkurrenz, Rassismus und autoritären Kapitalismus:

Mittwoch, 5.12.

Treffpunkt 16:00 Uni Wien

Für den Kommunismus!

KSV-LiLi

Österreich muss sitzen bleiben!

Ein kritischer Aufruf dazu, dass es komplett egal ist ob man nun sitzen bleibt, aufsteht, Kuchen bäckt, Kaffee trinken geht oder sonst was.

Das Bildungsvolksbegehren ist gerade in aller Munde. Auch das Vorsitzteam der ÖH-BOKU ruft zusammen mit dem Rektorat auf das Begehren zu unterschreiben. Dass eine kritische Auseinandersetzung mit den Inhalten des Begehrens praktisch nicht stattfindet stört dabei niemanden. Denn in erster Linie geht es um unsere Zukunft, um die wirtschaftliche Zukunft unseres Landes. Und das, kann doch wahrlich nichts schlechtes sein, oder?

Vorweg sind viele Inhalte des Begehrens sicherlich unterstützenswert: So etwa die Forderung nach einer gemeinsamen Schule für alle Schulpflichtigen, die klare Bekenntnis zur Ausfinanzierung der Hochschulen oder die Erkenntnis, dass Migrant_innen im österreichischen Bildungssystem nach wie vor benachteiligt werden.

Dass neben diversen Vertreter_innen aus der Sozialdemokratie und den Grünen vorwiegend Industrielle wie Hannes Androsch oder Veit Sorger sich öffentlich für das Bildungsvolksbegehren aussprechen ist sicherlich kein Zufall. Auch ein genauerer Blick auf die Unterstützer_innenliste (über Industriellenvereinigung bis hin zu den Jungen Liberalen) macht schmerzlich bemerkbar dass es diesem Begehren nicht um einen emanzipatorischen Bildungsgedanken geht, sondern in erster Linie um ein Bildungssystem welches möglichst effizient für die Wirtschaft ausbildet. Hohe Akademiker_innenquoten und gute Schulbildung sind nämlich für ein „Land ohne Rohstoffe“ für „wirtschaftlichen Wohlstand“ unverzichtbar. Bereits der Titel „Österreich darf nicht sitzen bleiben“ stellt den Bildungsbegriff in den Kontext des internationalen Wettbewerbs. Der Bildungsbegriff der mit dem Volksbegehren vermittelt wird bleibt damit jedoch notwendig auf „Ware und Ressource“ verkürzt. Dass sich einzelne Inhalte im Spannungsfeld zwischen emanzipatorischer Bildung und Bildung für wirtschaftliche Verwertbarkeit nicht per se ausschließen ist an den unterstützenswerten Punkten ablesbar. Unverzichtbar sind jedoch die Kontextualisierung sowie eine radikale Kritik an unserem Gesellschaftssystem welche weit über die Forderungen des Bildungsvolksbegehren hinausgeht.

Des Weiteren ist fraglich inwiefern das Instrument Volksbegehren geeignet ist um die geforderten Punkte umzusetzen. Viele der Punkte spiegeln die schon seit Jahren und Jahrzehnten existierenden Expert_innenmeinungen wieder, welche in den Schubladen der Entscheidungsträger_innen Staub sammeln. Die von Androsch geäußerte Perspektive die Umsetzung der im Begehren geforderten Punkte mit Hilfe einer „nationalen Kraftanstrengung“ in einem Bildungsgipfel, welcher Regierung und Entscheidungsträger [sic!] an einen Tisch bringen soll, verkennt bereits gescheitere Versuche am Verhandlungstisch wie etwas Karls Hochschuldialog/monolog.

In Anspielung auf Töchterles Faible für lateinische Sprichwörter erkennen wir, dass „contra principia negantem non est disputandum“. Zu Deutsch: »mit jemandem, der die Grundlagen der Diskussion leugnet, sich keine Auseinandersetzung führen lässt«. Ein offener und freier Hochschulzugang, ein Bildungssystem und Gesellschaftssystem ohne jegliche soziale Selektion sind für uns nicht verhandelbar, sondern immer und uneingeschränkt einzufordern. Der Verhandlungstisch ist nur allzu oft Wiege von falschen Kompromissen. Er wird von jenen Kräften instrumentalisiert, die sich ideologisch für sozial selektive und Eliten bildende Strukturen aussprechen.

Freie Bildung und Wissenschaften können nur abseits von wirtschaftlicher Verwertbarkeit existieren. Da sich im Kapitalismus jedoch alle Lebensbereiche Sachzwängen und der Profitmaximierung unterordnen müssen, können wir diese Ziele nur durch ein generelles Umdenken, durch die Formulierung radikaler Kritik und der schlussendlichen Überwindung kapitalistischer Verhältnisse erreichen.

Ob man nun das Bildungsvolksbegehren unterschreibt oder nicht, bleibt jedem und jeder selber überlassen. Wir freuen uns wenn es dazu führt wieder mehr über die Bildungspolitik zu diskutieren und suchen darin wie immer Ansatzpunkte für radikale Kritik an herrschenden Verhältnissen.

Für freie Bildung und freie Wissenschaften. Gegen jeden Standort-Nationalismus. Für das schöne Leben für Alle.